| Was fürs Auge
Der Baden-Badener Panoramalauf ist eine Runde für Genießer |
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Beim Merkur ist die Gruppe über den Berg. Manche eher kurzatmig, andere
kraftvoll-elegant, aber Hauptsache, dass niemand am ersten steilen Anstieg
des Panoramalaufs gescheitert ist. Oben auf dem Baden-Badener Hausgipfel
belohnt alle der gleiche weite Blick: Unten in der Rheinebene glänzt silbern
der Fluss, dahinter schimmern die Vogesen durch den morgendlichen Dunst. Nach Süden zu, von der Sonne warm beschienen, der den Höhen, Dörfer in den Tälern. Am Aussichtspunkt spendet ein Brunnen köstliches, kühles Wasser. Neben ihm ein verwittertes Relief des Gottes Merkur; der römische Patron der Wanderer gab dem Berg seinen Namen. Ob es an ihm liegt oder an der motivierenden Aussicht plötzlich scheint gewiss, dass es ein guter Tag wird und ein guter Lauf. Immerhin 50 Kilometer stehen noch an. |
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Laufen und schauen: Ernst Jünger notierte einmal, auf einhundert Metern zu
Fuß sehe man mehr als während einhundert Kilometern im Auto. Und
tatsächlich: Wie der Weg sich ins Tal windet, Obstwiesen durchquert und auf
laubbedeckten Waldpfaden wieder ansteigt ständig wechseln die Eindrücke.
Hier leuchten herbstlich rote Beeren in einer Hecke, da malt die Sonne
Lichtflecken ins Buchenlaub; immer wieder öffnet sich eine neue Perspektive
auf Baden-Baden und die umliegenden Täler. Wer läuft und dabei nicht nur
Kilometer frisst, zehrt ebenso vom Schauen wie von Energieriegeln und
Wasser. Einleuchtend, dass Rolf Mahlburg auf die Idee kam, mit
Veranstaltungen wie dem Baden-Badener Panoramalauf Menschen das Augenlicht
zurückzugeben. |
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Bei diesem Lauf gibt es keine Sieger, keine Verlierer. Nur Gewinner. Dass es nicht darum gehe, Schnellster zu sein, hatte Rolf vor dem Start am Morgen noch betont. Gemeinsam laufen, gemeinsam ankommen, ist sein Motto. Und: Gemeinsam helfen. Statt eine Startgebühr zu verlangen, erbittet er einen Beitrag für die Christoffel-Blindenmission, ein christliches Hilfswerk, das sich auf die augenärztliche Versorgung in armen Ländern spezialisiert hat. Damit alle Spenden dem guten Zweck zugute kommen können, beschränkt sich die Logistik rund um den Panoramalauf auf das wirklich Notwendige: Nur ein paar Radler begleiten den Trupp, an den sechs Versorgungsstellen gibt es Wasser und Zitronentee aus soliden Bechern statt Wegwerfgeschirr. Was einfach ist, kann also auch noch ökologisch sein. Und entgegen der Ankündigung, dass jeder selbst für sein Essen sorgen müsse, haben ein paar gute Geister doch noch Äpfel geschnitzelt und Butterbrote geschmiert. Es mangelt an nichts. |
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In gemächlichem Tempo geht es durch die Landschaft, für die Schnellen nicht
zu langsam, für die Langsamen nicht zu schnell eine Art Genusslauf. So
kommt man ins Gespräch, teilt mit dem gemeinsamen Erlebnis auch je eigene
Erfahrungen. Von seinem Ultramarathon auf Réunion erzählt einer,
hundertdreißig Kilometer mit achttausend Höhenmetern, eine elende Schinderei
muss es gewesen sein. Eine Seniorin, drahtig und zäh, schwärmt von ihrem
Tourenlauf von der Donauquelle zum Feldberg, dem höchsten Punkt des
Scharzwalds. Bald kreist die Unterhaltung zwischen ambitionierten
Wettkämpfern und Freizeitläufern um die richtige Verpflegung und
Trainingstipps. Beiläufig wird die Runde so zur Ideenbörse und zum
Laufseminar. |
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Die Sonne wärmt behaglich, der Wald duftet, man möchte ewig weitertraben.
Aber irgendwann ist die letzte Anhöhe überwunden, und sachte fällt der Weg
nach Baden-Baden ab. Als der Pulk nach neun Stunden und mit 63 Kilometern
auf den Sohlen wieder am Ausgangspunkt eintrifft, gibt es herzlichen Applaus
von den Läufern für das Organisationsteam, aber ein bisschen auch für sich
selbst. |