Ein Grossteil der Läufer war noch nie durch die Nacht gelaufen. Der Reiz waren nicht unbedingt die 65km, die hatten schon viele hinter sich, nein, es reizte ganz einfach die Laufzeit. Von Freitag Abend 22.00 h bis Samstag Morgen 07.20h, das ist zugegebener maßen nicht alltäglich. Aber, es diente einem guten Zweck. Laufendhelfen.de (Initiatoren:
Brigitte u. Rudolf Mahlburg) hatte zu diesem Benefizlauf eingeladen. Die vorab entrichtete Spende leitet laufendhelfen.de an den Verein benni u. co e.V., welcher Kinder und Erwachsene unterstützt, die an der unheilbaren Krankheit des Muskelschwundes leiden. Also, unsere Motivation war das Laufen für einen guten Zweck, dafür kann man sich ja auch mal eine Nacht
um die Ohren schlagen, genauer gesagt laufen. Am Bahnhof in Baiersbronn war Treffpunkt. Dort erhielten wir Warnwesten zum Anziehen. Nicht nur wegen der Sicherheit bei Dunkelheit, nein, jeder konnte dann gleich erkennen, der da gehört zu dem Haufen der ....."Verrückten..." Es war schon ein schöner Anblick, rund 40 Läufer in fast gleichem Outfit.
Rudolf pfiff alle Zusammen, hielt eine kurze Ansprache und gab uns Verhaltensregeln mit auf den Weg, der Bürgermeisterstellvertreter von Baiersbronn wünschte uns auch noch alles gute, dann ging´s los. 20 Min. Joggen, 10 Min. Walken in diesem Rhytmus liefen wir von Baiersbronn auf dem Murgtal Rad-Wanderweg über Forbach, Weisenbach, Gernsbach, Gaggenau,
Baden-Baden (Schloss Favorit) durch´s Feld an den Badesee von Sandweier. Anfangs wurde viel geredet, gelacht und fachgesimpelt. Später so nach ca. 40km wurde es leiser in der Gruppe. Ab km 50 wurde es immer stiller, ich glaub, da hatte jeder so seine eigenen Vorzüge, wofür er seine Kräfte einsetzte. Ab km 60 wurde es wieder etwas redsamer in der Gruppe, das
lag wohl daran, dass der "Stalltrieb" aufkam, denn jetzt kam das Ziel immer näher und dort erwartete uns frischer Kaffee, Brötchen, Honig, Wurst, käse, Nüsse, Kuchen, Saft also ein reichhaltiges Bufett, das keine wünsche offen lies. Auf der gesamten Strecke waren 4 Versorgungsstellen eingerichtet, wer da nix zum essen fand, war mehr als schleckrig.
Bananen, Melonen, Nüsse, Schokolade, Müsliriegel, Brot, Wasser, Saft, Tee, frische Brühe und Malzbier boten eine reichhaltige Speisekarte für die Wegzehrung. Unterwegs wurden wir von nachtschwärmenden Jugendlichen mit viel Beifall begleitet, manche staunten einfach nur über den Anblick der großen Läuferschar in Mitten der Nacht, einige waren mehr als
nur ungläubig, als sie hörten, wir laufen von Baiersbronn nach Sandweier 65km. Wir konnten nur ahnen, was sie dachten, ihre Gesichtsausdrücke ließen unserer Interpretation freien lauf. Unterwegs war immer wieder zu hören: Wo ist die Heidi???? Ja, Heidi sollte in Haueneberstein in den Zug einsteigen und mit uns nach Baiersbronn fahren, aber Heide war nicht da!
Bald stellte sich heraus warum. Das Zugfahren ist nicht immer einfach. Heidi kam aus Freiburg. Sie war auch schon am Bahnhof in Haueneberstein, stieg aber in den falschen Zug und fuhr erstmals nach Karlsruhe. Von dort landete sie in Durlach, dann nahm sie ein Taxi und fuhr wieder zurück nach Bruchsal. Endlich im richtigen Zug fuhr sie gen Forbach, dort wollte sie
aussteigen. Aber, sie war zur späten Stunde etwas eingenickt und sah beim Aufwachen das Bahnhofschild Forbach am Fenster ihres Abteils vorbeihuschen. Nix da mit Forbach aussteigen. Also fuhr sie zum nächsten Bahnhof weiter und nach fast einer Stunde Aufenthalt wieder zurück nach Forbach. Dann gelang es ihr doch noch sich uns anzuschließen. Sie brauchte jetzt
nur noch die letzten 37 km mit uns laufen. Aber Heidi war nun da.
In Sandweier angekommen, durften wir erstmals Lockerungsgymnastik machen. War zwar eine gute Idee, aber die meisten hatten nur noch in den Badesee hopsen und das Frühstück im Sinn.
Jedenfalls waren alle wieder quietsch fidel und von einigen stacksigen Gehversuchen abgesehen, sah man keinem die Nachtour mehr an.
Fazit: mir und allen hat´s riesigen Spass gemacht, die Gruppe hatte die Tour zusammen super gemeistert, die Gesamttour war von Brigitte und Rudolf hervorragend von der Strecke her und der Gesamtverpflegung super organisiert. Ein Dankeschön an Brigitte und Rudolf und allen anderen die zu diesem Einmaligen Ereignis beigetragen haben. Einen
besonderen Dank den vielen ehrenamtlichen Helfern, die sich für uns die Nacht um die Ohren geschlagen haben und unser wegen auch gefroren haben, sowie dem DRK und der Fa. Kappa-Baden-Karton.
Wer unsere herrlichen Stunden miterleben möchte, ist nächstes Jahr eingeladen zum 3. Nachlauf - es können auch Teiletappen mitgelaufen werden.
Wer nicht so lange warten möchte, der kann am 03. Oktober 05 sich beim Panoramalauf (62km rund um Baden-Baden) oder auf einer Teiletappe davon uns anschließen und sich glücklich schätzen, dann auch zu den ....."Verrückten"..... zu gehören, denn es macht viel Spass, das Laufen ist kurzweilig und ruck zuck ist das Vergnügen vorbei,
denn dann ist das Ziel erreicht.
Am Freitag Morgen wurde ich im Geschäft noch gefragt: "Na wann läufst du wieder, was ist deine nächste Aktion?" "Heute abend 22.00h 65km von Baiersbronn nach Baden-Baden" war meine knappe Antwort. "Du sp....innst" wollte mein Gesprächspartner gerade sagen, da hab ich ihn unterbrochen und ihm mitgeteilt, dass wir
für einen guten Zweck laufen, dann setzte er seinen Satz fort......das ist aber eine gute Idee.
Viele spassige km wünscht euch allen
Eddi / 25.07.05